Bernd Goebel | Alkoholsucht

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Persönlicher Vortrag
Coaching (ab Oktober 2018)

Ich bin 51 Jahre alt, verheiratet, habe zwei Kinder, bin kaufmännischer Angestellter und wohne in Attendorn im Sauerland.

Meinen ersten Kontakt mit Alkohol hatte ich mit 6 oder 7, als mich meine Großeltern an Bier, Wein oder Eierlikör mit dem Finger probieren ließen. Mit 13 oder 14 nahm ich Beruhigungstabletten, die ich meiner Oma entwendet hatte, da ich nicht schlafen konnte (Pubertät). Mein erstes Bier hatte ich mit 16 auf einer Jugendfreizeit. Danach immer wieder mal in geselliger Runde. Doch dann wurde aus dem Genusstrinken das heimliche Trinken. Es begann nach und nach mit der Geburt unseres Sohnes 1994. Ich trank heimlich und versteckte den Alkohol. Dabei waren meine Verstecke völlig absurd. Vom Ofen über das Kinderzimmer hin zum Auto. Mit der Zeit brauchte ich immer mehr Alkohol. Zum Schluss waren es 6-7 Flaschen Bier und zwei Flaschen Wodka pro Tag. Ich trank fast täglich bis zum Filmriss.

Bei den Mengen hörte ich irgendwie auf zu leben. Der Alltag verschwamm hinter einem Schleier aus Alkohol. Ich habe mich immer mehr in meine Isolation getrunken, d.h. ich hatte keine Interessen mehr. Kein Interesse mehr an meiner Familie, meinen Freunden, meines Hobbies, meinem Arbeitsplatz und meinen ehrenamtlichen Dingen. Alles drehte sich nur noch um den Alkohol. Die Beschaffung, das Trinken und die Entsorgung.

Das Bittere daran: Ich habe viel Schönes einfach verpasst oder vergessen. Von der Entwicklung seiner beiden Kinder habe ich vieles nicht mitbekommen und musste mir vieles im Nachhinein erklären lassen. Ich habe die beiden nicht richtig aufwachsen sehen. Hier wäre es schön, die Zeit noch einmal zurück zu drehen.

Ich hatte zudem auch mehr Glück als Verstand. Ich bin immer besoffen Auto gefahren. Es grenzt an ein Wunder, dass ich keinen Unfall gebaut habe und auch von der Polizei nicht angehalten wurde. Daran sieht man, wie ich als Alkoholiker die Kontrolle über sein Leben verloren hatte. Im Büro wurde meine Arbeitsleistung immer schlechter. Wenn ich den Entzug nicht gemacht hätte, wäre ich entlassen worden. Das wäre der Beginn des sozialen Abstiegs gewesen.

Ich habe es dann doch geschafft trocken zu werden.
Am Dienstag nach Ostern 2005 bin ich zu meinem Hausarzt gegangen und ihm gesagt, dass ich am Ende sei. Er hat mich in die Psychiatrie eingewiesen, in der ich endlich meinen Entzug gemacht hat. Warum ich an dem Tag direkt vom Büro zu ihm gegangen bin, weiß ich nicht. Es hat mich jemand schwer in den Hintern getreten. Sonst hätte ich mich totgesoffen.

Bevor der Entzug am 07.04.2005 begann, holte ich zum letzten „großen Rundumschlag“ aus. 6 Tage voll, 24 Stunden am Tag, getreu dem Motto: „Nimm alles mit, nach dem Entzug gibts nichts mehr“. Ich hatte Abschied von meinem „besten Freund“ genommen, endgültigen Abschied. Bevor es an diesem Tag in die Psychiatrie ging, habe ich bis morgens getrunken. Meine Tasche hatte ich nur zur Hälfte gepackt. Es war mir egal. Ich war am Ende.“ Er kam auf ein Dreibettzimmer mit einem methadonabhängigen Russen und einem depressiven Türken. Es ging mir richtig schlecht. Ich bekam Distraneurin, alles ging wie ein Film an mir vorüber. Ich schwebte, ich hatte keine Schmerzen, nur die verdammte Unruhe, das Schwitzen, der Brechreiz und das Gefühl, dass ich es nicht überleben werde.

Nach etwa fünf Tagen war der Spuk dann vorbei. Die Hände zitterten nicht mehr, der Blutdruck normalisierte sich und ich schwitzte nicht mehr. Der Kopf wurde wieder klar. Gereinigt von dem Nebel aus Alkohol. „Und ich fing an zu lesen. Als ich das erste Buch aus der Bücherei aufschlug, fragte ich mich, wann ich das letzte Mal ein Buch gelesen hatte. Das musste mindestens 3 Jahre her gewesen sein. Es war ein tolles Gefühl. Ich habe in den 20 Tagen meines Krankenhausaufenthaltes fast die ganze Bücherei durchgelesen.“

Der Entzug war allerdings nur der erste Schritt eines langen Weges. Ein Jahr lang machte ich eine ambulante Therapie und ging sieben Jahre regelmäßig zu den Anonymen Alkoholikern. Außerdem begann ich mit Sport (Nordic Walking und Krafttraining). So habe ich es geschafft über 50Kg abzunehmen. Ohne meine Familie und sehr gute Freunde hätte ich es wahrscheinlich nicht geschafft. Sie haben mir immer wieder Kraft gegeben und unterstützt. In dieser Zeit reifte auch mein Entschluss, dass ich über die Krankheit Alkoholismus aufklären will, auch um zu zeigen, dass Alkis Menschen wie du und ich sind.

Für mich ist Alkoholismus eine heimtückische Krankheit, die in erster Linie Akzeptanz bedarf. Wenn ich sage: Mein Name ist Bernd und ich bin Alkoholiker“ habe ich für mich akzeptiert, dass ich Alkoholiker bin und bleibe.

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„heimlich – unheimlich …habe ich getrunken“ von Bernd Goebel