Torsten Nassall / Alkohol, Drogen, Fressucht, Ritzen

Sie können Torsten Nassall für folgende Leistungen buchen:

Vorträge und Schulungen in Firmen, Behörden, Schulen
Redner bei Veranstaltungen
Männerworkshops und Seminare
Coaching
Aufklärung und Suchtprävention via öffentlicher Interviews und in den Medien

Torsten Nassall

Kind einer alkohol-, medikamenten- und esssüchtigen Familie. Aufgewachsen mit dem Nachnamen meines Vaters, zu dem ich als 24-Jähriger erstmals Kontakt hatte und dessen Nachnamen ich als Einziger in der Familie trug. Ich fühlte mich in meiner eigenen Familie isoliert.
Sexuell mißbraucht wurde ich als Drei- bis Fünfjähriger, gefressen habe ich ab dem fünften Lebensjahr, geraucht mit neun, Alkohol getrunken mit elf. Die erste Alkoholvergiftung hatte ich mit 13 und mit 15 rauchte ich den ersten Joint.
In meiner gesamten Kindheit waren gerade zwei mal Freunde bei uns zu Hause: Einmal in der Grundschule mit acht und dann nochmal als ich 16 war. Denn die „Familiendevise“ lautete, was hier passiert geht keinen etwas an! 
Für mich war meine Familie normal, da ich nichts anderes kannte. Als ich mit 17 zu Hause auszog, nahm ich nur ein paar Schuhe, meine Sucht und meine Selbstzerstörung mit. Mein selbst verdientes Geld habe ich in Saufen investiert. Mit 18 Jahren war mein Pensum eine Flasche Schnaps am Tag. Ein Jahr später wechselte ich zu Cannabis: Der Rausch war cooler, ich hatte keine Fahne – und blieb in die Gesellschaft integriert. Von nun an wechselte ich zwischen Alkohol, Cannabis und Essen – meiner Sucht blieb ich aber immer treu.
Wenn ich heute auf mein Leben zurückschaue, waren Essen und mir selbst Schmerzen zufügen meine ersten Trostpflaster. Mit fünf/ sechs Jahren habe ich begonnen, heimlich Schokolade, Bonbons oder Kuchen zu stehlen und mich regelmäßig auf andere Arten selbst zu verletzen. Mein Suchtverhalten (Essen, Alkohol, Cannabis, Selbstverletzen…) verlief ähnlich. Immer wieder das Gefühl, die Lebenssituation, in der ich mich befinde, nicht aushalten zu können und andere dafür verantwortlich zu machen. Ich setzte das fort, was ich aus dem Elternhaus kannte. Aufgewachsen bin ich mit Sätzen wie „Ohne dich wäre ich frei“, „Du hast mein Leben zerstört“, „Ich habe dich nur bekommen, um von zuhause rauszukommen“ und „du bist Schuld, dass ich so viel saufen und dann gegen die Kopfschmerzen Tabletten nehmen muss, du bist Schuld, dass es mir so schlecht geht“.
Ich habe dann vieles versucht um aus meinem aktiven Konsum herauszukommen und diesen tiefen Schmerz zu betäuben und wegzumachen. Gleichzeitig versuchte ich irgendwie irgendwo dazuzugehören. Durch den Nachnamen war ich ja auch in der Herkunftsfamilie immer isoliert. Mein Muster hieß suchen und ausprobieren: Neue oder andere Arbeit, andere Musik, andere Klamotten, andere Drogen, anderer Sport, neue Stadt, neue Wohnung, andere Frauen, Familie gründen. Immer in der tiefen Hoffnung, wenn ich im Außen etwas finde, kann ich „normal“ konsumieren. Ich habe geglaubt, ich könne kontrolliert konsumieren.
Es ging irgendwie immer darum, dieses innere Loch zu stopfen, diese Leere zu füllen, diesen Schmerz zu zerstören. Und rückwirkend betrachtet war ich nicht in der Lage, die Verantwortung für mein Leben zu übernehmen.
Mit 33 Jahren, im April 2005, habe ich in meiner Wohnung gelegen, bis oben hin stoned. Meine Seele ist aus meinem Körper hinausgegangen und ich habe mich und mein Leben von oben gesehen. Gesehen habe ich, dass ich dasselbe tue wie es in meinem Elternhaus praktiziert wurde. Das hat mir weh getan. Zugleich habe ich erlebt: Egal wieviel und was ich konsumiere, dieser Schmerz geht nicht weg. Ich habe Rotz und Wasser geheult und erkannt dass es nur noch zwei Optionen gibt: Selbstmord, für den ich zu feige war, oder aufhören. 
Und ich durfte dank SHG, Therapie (2005 Drogentherapie, 2008 und 2009 Psychosomatische Klinik) und viel Männerarbeit aufhören und meinen Weg aus der aktiven Sucht herausnehmen und gehen. Heute lebe ich mein Leben: Ich mache, was mir gefällt, und habe das Gefühl, in meinem Leben angekommen zu sein. Mit dem „Terroristen zwischen meinen Ohren“ habe ich gelernt umzugehen und notfalls zu tanzen.
Frei von Alkohol und Drogen seit 04/2005
Frei von Nikotin seit 01/2013
Frei von Fressen seit 03/2013
Frei von Ritzen und Schneiden seit 05/2013